Karriere

Warum ein 50/50 Modell manchmal einfach nicht geht!

Guten Morgen ihr Lieben,

wie fast jeden Morgen trinke ich meinen Kaffee nachdem ich Anna in die Kita gebracht habe und klicke mich kurz durch meine Lieblingsblogs. So landete ich gerade auch wieder auf Little Years, deren Post heute über gelungene 50/50 Modelle bei Eltern ging. Also Beispiele von Eltern, die sich Hausarbeit, Kindererziehung etc. genau 50/50 teilen. Ich habe schon so häufig darüber nachgedacht, ob ich so etwas wollen würde und wie realistisch dies wäre und und und… Gerade zur Zeit beschäftigen mich „andere“ Lebensmodelle sehr und ich stelle mir einige Fragen.

Status Quo

Bei uns ist es derzeitig so, dass ich noch in Elternzeit bin (habe noch einen Arbeitsvertrag), ein Fernstudium mache und seit letztem Mai ein Nebengewerbe (Raupenkind) habe. Anna ist seit 4 Wochen ca. 6h täglich in der Kita. Mein Mann geht mind. 12h täglich arbeiten und verdient dementsprechend auch viel mehr als ich (was absolut okay für mich ist, er verdient es sich hart). Ich habe also jeden Tag 6h Zeit „für mich“. 6h in denen ich lerne, etwas produziere, den Haushalt oder einfach mal GAR NICHTS mache!  Ich war 1,5 Jahre mit Anna zu Hause, war die meiste Zeit mit ihr alleine, auch wenn mein Mann großartigerweise morgens eher aufgestanden ist um noch etwas Zeit mit ihr zu verbringen, sie zu wickeln, waschen, anzuziehen und mit ihr zu frühstücken. In der Zeit konnte ich noch eine halbe Stunde länger schlafen, weil ich die „Nachtschichten“ hatte. Das macht er übrigens auch jetzt noch, auch wenn ich jetzt meist mit aufstehe und Frühstück für uns 3 mache. Ich bringe sie in die Kita und hole sie ab.

Wie wird das werden, wenn ich wieder im Büro bin?

Wenn ich demnächst wieder im Büro arbeiten gehe, und ein 50/50 Modell anstreben würde, dann würde das einfach nicht funktionieren. Wenn wir beide Vollzeit (also ich 40h) arbeiten würden, müsste ich um 8 Uhr im Büro sein und mein Mann müsste Anna jeden Tag in die Kita bringen. Geht nicht, weil er häufig tageweise einfach nicht da ist.

Wenn ich sie zu 7:30 Uhr dann in die Kita bringen würde, um 8:00 Uhr bestenfalls im Büro bin, bis 17 Uhr (inkl. 1h Mittagspause) arbeiten würde, könnte ich sie nicht abholen, weil die Kita 17 Uhr schließt, ich aber erst 17:30 Uhr an der Kita wäre. Klar könnte ich unsere Babysitterin bitten, sie abzuholen, aber jeden Tag??? Mein Mann kann sie nicht abholen, da er ja noch bis ca. 21 Uhr im Büro ist. Es funktioniert also einfach nicht! Abgesehen davon WILL ich Anna keine 10h (!!!) in der Kita lassen.

So ein Modell kann nur mit flexiblen Arbeitszeiten oder einem Teilzeitjob funktionieren. Ich weiß, dass es bei vielen Familien irgendwie gehen muss und auch ich war als Kind die erste und die letzte in der Krippe, Kita und dann später im Hort. Ich wartete meist schon gemeinsam mit der Erzieherin vor der Tür auf meine Mama. Aber so war es halt, meine Mama war einige Zeit alleinerziehend und Vollzeit berufstätig. Und ich bin verdammt stolz auf sie. Denn nur so konnten wir uns eine große Wohnung, 2 Mal Urlaub im Jahr, Ausflüge etc. leisten. Ich war sehr früh sehr selbstständig und meine Mama hatte trotzdem immer ein offenes Ohr und genügend Zeit für mich, wenn auch nicht gerade unter der Woche.

Nur Gehetze?

Viele denken jetzt bestimmt, dass ich ja dann bestimmt genauso sein möchte wie sie und ein 50/50 Modell anstrebe, aber nein, so ist es nicht. Ich bin froh über den Luxus Dinge machen zu können, die mir Spaß machen. Dass ich Teilzeit arbeiten gehen, studieren, nähen kann UND noch viel Zeit für Anna habe. Meine Arbeitszeiten im Büro sind jetzt auch nicht so knapp gelegt, dass ich nur zwischen Kita und Büro hin und her hetze, nein, ich habe mindestens 1h täglich noch für mich. Weil ich sie brauche um ausgeglichen und gut in meinen „Jobs“ zu sein. Um genug Energie für alles zu haben und weil mein Mann mein größter Unterstützer ist. Er wertschätzt meine Arbeit zu Hause, mit Raupenkind, mit dem Studium und natürlich auch mit Anna (jaaa, manchmal ist es Arbeit). Und auch wenn er nicht so viel Zeit daheim ist, vergöttert ihn Anna trotzdem, weil er einfach in der Zeit, die er hat, voll und ganz für sie da ist und das spürt sie.

So und nun habe ich genug geschrieben, ich muss mich ans Lernen setzen, damit ich nachher mit einem guten Freund Mittagessen kann 🙂

Wie sieht es bei Euch aus? Würdet ihr gerne ein 50/50 Modell haben? Klappt es bei Euch? Ist es mit viel Organisation verbunden? Ich freue mich sehr auf Eure Kommentare.

Habt einen tollen Tag!

Eure Caro

 

ERGÄNZUNG: Ich freue mich immer über konstruktive Kritik und anregende Kommentare. Ich behalte mir aber vor, Kommentare, die das Niveau eines Toastbrotes unterschreiten, kommentarlos zu entfernen. Danke!

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Hallo und herzlich Willkommen! Ich bin Carolin, 31Jahre jung und Mama von 2 wunderbaren Kindern. Ich studiere Jura, blogge über unser Familienleben in Berlin, über die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie und über allerlei Leckereien und schönen Dinge des Lebens. Ich wünsche Dir ganz viel Freude hier auf meinem Blog!

9 Comments

  • Catherina W.

    Niemand bezweifelt, dass ein 50/50 Modell wirklich manchmal nicht geht. Wenn ich Dein Posting aber so lese, schlackeren mir trotzdem die Ohren. Ich schätze mal, dass ich ungefähr 10 Jahre älter bin, als Du. Wenn ich da sehe, Kind nun schon fast eineinhalb, ein bisschen Fernstudium, ein bisschen Nähen, ein bisschen Bloggen, das kommt mir wie ein recht fahrlässiger Umgang mit der eigenen finanziellen Zukunft vor.

    Ich habe mittlerweile so viele Traumehen gesehen, die für mindestens einen Partner nach langer Zeit doch überraschend zerbrochen sind, mit großen finanzieller Krise für den Teil, der nach den Kindern nur noch wenig gearbeitet hat. Trotz großverdienendem Ehemann und Unterhalt (Ehegattenunterhalt ist heutzutage übrigens nur noch auf wenige Jahre begrenzt). Mensch, such Dir einen Job und bleib am Ball. Auch wenn es am Anfang nur 20 Stunden sind, Du kannst die Kleine immer noch um halb drei abholen und hast den Kontakt zur Arbeitswelt erhalten, verdienst richtiges Geld und kannst zur allergrößten Not im Fall des Falles Stunden aufstocken. Das Kind ist nicht mehr so ganz winzig und gerade, wenn noch ein zweites kommen soll, ist es wichtig, nicht jahrelang rauszukommen. Sonst kann es unter Umständen ein böses Erwachen geben. Und nein, ich bin kein frustriertes Scheidungsopfer (sondern eine ganze Weile verheiratet mit Kindern) und will Dir nichts böses. Ich weiß auch, dass Du mein Posting nicht veröffentlichen wirst. Aber lass Dir kein O für ein U vormachen, das bitte ich Dich. Was Du da gerade lebst kann (!/muss nicht) gewaltig in die Hose gehen.

    • raupenkind

      Danke für deinen Kommentar. Aber wenn du richtig gelesen hättest, dann würdest du sehen, dass ich demnächst wieder „richtig“ arbeiten gehe. Ich habe mich bewußt dafür entschieden 1,5 Jahre daheim bei Anna zu bleiben und bereue es kein bisschen. Ich lasse mir da auch nichts vormachen, sondern ich genieße gerade die freie Zeit, die ich für mich habe, denn die werde ich wohl so schnell nicht wieder bekommen, also alles gut 🙂 Uns geht es gut und das ist die Hauptsache.

  • raupenkind

    Und ich wollte noch hinzufügen, dass ich deinen Kommentar teilweise sehr anmaßend finde. „Das bisschen nähen, studieren und bloggen“. Ich studiere Rechtswissenschaften, habe mein eigenes Kleingewerbe mit dem ich Geld verdiene und blogge hin und wieder. Das Studium mache ich gerade, weil ich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben möchte und um meinen Kreis der Möglichkeiten zu erweitern.
    Und leider klingt dein Kommentar sehr frustriert und missgünstig.

  • Antonia

    Finde diesen Kommentar auch etwas anmaßend, auch wenn sicher viel Lebenserfahrung daraus spricht. Tatsächlich sieht mein Leben gerade ähnlich aus wie deins (vielleicht fühle ich mich deswegen von dem Kommentar provoziert). Ich hab früher auch nie gedacht, dass ich 2 Jahre „zu Hause“ mit Kind und Fernstudium sein würde und mich jetzt entschließe, sogar noch ein Masterstudium dran zu hängen, obwohl ich schon längst berufstätig und gleichberechtigt sein könnte. Aber ganz ehrlich, so viel ich mich bemühe, selbst bei Traumbedingungen, ich werde mir auch nur die Hälfte von dem verdienen, was mein Mann verdient in seiner Branche. Wir haben bei Jobangeboten oft diskutiert, ob mein Mann seine Arbeitszeit reduzieren könnte, um mir bei Krippenöffnungszeiten von 8 bis 15.30 und Pendelzeit eine Vollzeitbeschäftigung zu ermöglichen. Es hätte sich finanziell zumindest nicht rentiert. Also kann ich mich auch noch weiter qualifizieren (und auf meinen Traumjob hinarbeiten) und unserem Kind 6 Stunden Fremdbetreuung gönnen. Ich finde eure Entscheidung völlig in Ordnung, solange ihr beide damit glücklich seid. Mein Mann zB ist oft traurig, dass er so viel von unserem Sohn verpasst. Ich hab oft ein schlechtes Gewissen, weil ich „sein“ Geld ausgebe. Unsere Lösung ist also langfristig noch nicht optimal, aber ja auch keine Dauerlösung. Bei euch ist es ähnlich, denke ich.

    • raupenkind

      Danke für Deinen Kommentar. Nein, eine Dauerlösung ist es nicht, aber ich finde es toll, jetzt einmal Zeit zu haben und diese nutze ich. Dass Gehälter immer noch ungerecht verteilt sind und die meiste „Familienarbeit“ immer noch an den Frauen hängen bleibt, darüber brauchen wir nicht streiten. Das ist ungerecht und daran muss sich etwas ändern! Es soll jede Familie die Möglichkeit haben, sich so zu organisieren, wie sie es für richtig hält, Arbeit sollte nicht immer der Mittelpunkt sein, sondern sich mit dem Familienleben vereinbaren lassen. Genauso gut sollte es aber auch Frauen / Männer geben dürfen, die dem Arbeitsleben den Rücken kehren um sich um die Familie etc. kümmern zu können.
      Mein Mann ist auch traurig, dass er doch noch recht viel verpasst, aber es gibt im Moment einfach keine Alternative. Selbst wenn ich wieder arbeiten gehe, heißt es nicht, dass er dadurch weniger arbeiten wird.
      Liebe Grüße

  • Katarina (@blogprinzessin)

    Hallo Carolin,
    Wir haben auch ein problem mit den Schließzeiten im Kindergarten, die ich furchtbar unflexibel finde und hier in Schleswig Holstein ist Kindergarten auch nicht umsonst so das sich irgendwann der Kindergarten hier nicht mehr rechnet. Ich habe darüber mal gebloggt (Blogprinzessin.de) der Post heißt „Wieso meine Kinder nicht in den Kindergarten gehen“.

    Liebe Grüße,
    Katarina

  • Catherina W.

    Ich bins wieder. 🙂 Also, frustriert und missgünstig ist vielleicht ein bisschen empfindlich, wenn man sein Familienmodell per Internet zur Diskussion stellt. Aber ich nehme es mal als Kritik zur Kenntnis.

    Mal ein bisschen zur Erklärung, damit sich die Wogen evtl. etwas glätten. Ich bin mittlerweile mit dem dritten Kind (alle vom selben Mann) schwanger und plane dieses Mal auch eine etwas längere Pause ein. Nach zehn Jahren Berufstätigkeit halte ich das Rentenkassen- und unterhaltstechnisch für ein nunmehr vertretbares Risiko. Bisher war ich bei jedem Kind ungefähr 14 Monate draußen. War immer eine schöne Zeit, die ich nicht missen will. Der Wiedereinstieg war oft ein richtiger Kampf. Ich bin lediglich etwas überrascht, wenn ich mir die Lebensplanung von sehr jungen Frauen nach dem ersten Kind anhöre und erkenne hier größere Differenzen zu unseren eigenen Vorstellungen von vor zehn Jahren. Wobei jede Frauengeneration natürlich ein Recht auf ihre eigenen Prioritäten und Entscheidungen hat und ich da eigentlich gar nix be- oder verurteilen will.

    Ein bisschen schmallippig bin ich zugegebenermaßen, wenn das irgendwann auf Kosten der Allgemeinheit geht, was in meinem Bekanntenkreis gerade sehr häufig der Fall ist. Wobei das gar keine Kritik an den Frauen ist, sondern vielmehr am derzeitigen deutschen Unterhaltsrecht, das den Männern weitestgehend erlaubt, jahrelang von einer Hausfrau zu profitieren und sich nach der Trennung finanziell ungeschoren aus der Affäre zu ziehen, gerade, wenn in der zweiten Ehe weitere Kinder kommen, jetzt mal ganz polemisch gesprochen. Es heißt aber nicht, dass dieses Unterhaltsrecht für alle Ewigkeiten in Stein gemeißelt ist. Sollte die abnehmende Berufstätigkeit von Müttern wirklich ein Massenphänomen werden, dann wird hieran seitens der Rechtsprechung sicher ganz schnell gerüttelt. Oder die Frauen besinnen sich auf kreativere Lösungen (Ehevertrag mit Unterhaltsverpflichtungen). Oder die Scheidungsraten sinken wieder. Ist ja alles möglich.

    Eigentlich wollte ich aber niemanden an den Pranger stellen, sondern den jungen Frauen, die hier lesen, Mut machen. Es ist möglich, einen schönen und verantwortungsbewussten Job zu haben und auf eigenen Füßen zu stehen, ohne, dass man sich zwangsläufig kaputt macht bzw. zu einem gestressten, gehetzten Weib wird. 😉 Und auch wenn bei uns bisher immer alles gut ging, bzw. wir uns in fast 15 Jahren immer wieder zusammenraufen konnten, war ich doch in schwierigen Zeiten froh, dass ich im Fall aller Fälle es mit den Kids auch alleine geschafft hätte. Und unser Versöhnen, Zusammenraufen, Vergessen und Vergeben auch nach vielen Jahren freiwillig war und nicht aus einer Abhängigkeit heraus. Ist aber nur mein Lebensmodell, was ich hier mal als Gegenentwurf so aufschreiben möchte, ganz ohne zu klugscheißen oder herablassend zu sein.

    Aber das hört sich wieder so missionierend an und das will ich eigentlich gar nicht. Es war sicher auch nicht ganz geschickt, Dich, Carolin, für etwas verantwortlich zu machen, was aus meiner Sicht gesellschaftlich gerade etwas problematisch abläuft. Das ist nicht ganz fair. Im Gegenzug rege ich aber an, meine Meinung nicht vorschnell als „frustriert“ abzustempeln. Mir ist klar, dass Deine Lebensplanung erstmal fest steht. Aber vielleicht kann der eine oder andere aus meinen Schilderungen noch was mitnehmen. Oder eben auch nicht.

    P.S. Antonia, hab kein schlechtes Gewissen. Das ist Euer Geld. Musste ich in meinem Pausen auch erst lernen. 🙂

  • Cathy

    Ich hätte mir ein 50/50-Modell auch sehr gut vorstellen können, ja. Aber bei mir standen nach der Elternzeit beruflich alle Zeichen auf Neuanfang, ich hätte mir mit den entsprechenden Arbeitszeiten auch eine Vollzeitstelle vorstellen können. Aber meine jetzige Tätigkeit im Schichtdienst wäre mir mit 100% (sehr wahrscheinlich) zuviel. Mein Mann arbeitet ebenfalls im Schichtdienst und dann würden wir uns nur noch die Klinke in die Hand geben, was natürlich für die Ehe dauerhaft sicher nicht förderlich wäre. Momentan arbeite ich 2 Tage pro Woche (inkl. Früh-, Spät-und Nachtschichten) und habe dann acht Tage frei, in denen ich mich zumindest vormittags meinem Studium widmen kann. Die Zeit am Nachmittag gehört meinem Sohn. Ich bin sehr zufrieden mit unserem derzeitigen Modell und würde es nur sehr ungern ändern wollen.

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