Warum ich keine Super-Vollzeit-Mama bin (und auch nicht sein möchte)

Heute war ein Tag, den man einfach so aus dem Kalender löschen kann. Ich habe gestern Abend unsere Jahresfahrkarte verloren, das Kundenzentrum war unfreundlich und unfähig mir zu helfen, ich habe deswegen meinen Mann angeblafft, obwohl er gar nichts dafür konnte, Niclas ist mal wieder erkältet und hat erstens noch schlechter geschlafen und zweitens mich auch noch angesteckt, sodass ich mich heute einfach nur mies gefühlt habe. Ich glaube, jeder kennt solche Tage.

„Scheißtag“

 

Seit ich Kinder habe, finde ich solche Tage richtig schwierig. Hätte ich mir sonst nach der Arbeit die Decke bis unter die Nase gezogen, in aller Ruhe Tee getrunken, gelesen, geschlafen oder Tv geschaut, musste ich heute den ganzen Tag hin und her rennen, mich um einen kleinen, schniefenden Krabbelfrosch kümmern, der sehr weinerlich war und trotzdem immer noch schauen, dass ich nicht umfalle. Er hat sein Schläfchen natürlich schon im Wagen unterwegs gehabt, sodass es für mich noch nicht mal diese eine Pause gab.

Nachmittags meckert dann das große Kind, dass man sich an sein Versprechen hält, es ganz früh aus der Kita zu holen und es dann aber doch ZU früh ist und ich nochmal wiederkommen soll. NÖ! So nicht! Ich wollte nicht mehr und ich konnte nicht mehr!

 

„PAUSE! JETZT!“

 

Also großes Kind etwas strenger eingesammelt, kleines Kind daheim nochmal schlafen gelegt, Feuerwehrmann Sam angeschaltet und mich mit Tee zur Tochter auf die Couch verkrümelt. Immerhin 30 Minuten Pause. Puh! Durchatmen, kurz Augen zu machen bis das Babyphone wieder krähte. Aus Ermangelung an Kreativität bin ich dann mit dem Schnupfenbaby zusammen in die Badewanne gegangen während Anna immer noch Sam bei seiner Arbeit zusah. Ja, manchmal bin ich froh, dass es TV on Demand gibt. Es rettet mir in sehr vielen Situationen einfach den Arsch.

 

„Die Mama-Punkte-Skala“

 

Danach gab es ein halbwegs harmonisches Abendessen mit nur 15 Ermahnungen an die Tochter doch einfach mal sitzen zu bleiben. Ist das mit 4 Jahren echt immer noch so schwer? Immerhin kam der frisch befüllte Adventskalender sehr gut an. Pluspunkt auf der Mamaseite.

Doch dann rutschten meine Erziehungspunkte ganz weit ins Minus. Es war 18:15 Uhr und wir putzten alle Zähne und ich schickte die Große ins Bett und machte ihr das Eiskönigin Hörspiel an. Zack! Hingelegt, zugedeckt, iPad an, Tür zu! Den Schnupfenzwerg vom Schnodder befreit, mit Nasentropfen, Engelwurzbalsam und Thymian-Myrte-Salbe ausgestattet, ins Bett gelegt, Schlafmusik angeschaltet und Tür zu.

Es ist nun 18:45 Uhr und ich höre von beiden Kindern nichts mehr. Ein Wahnsinnsgefühl nach einem solchen Tag. Mal sehen, wie lange mein Glück anhält.

 

„Eine Trickkiste voller Bestechungen“

 

Ich kann jetzt mal durchatmen, meinen Tee trinken (okay, es ist Glühwein) und diese absolute Stille genießen. Mir fehlen diese Momente immer mal wieder sehr. Und dabei muss ich zugeben, dass ich keine lauten und rabaukenhaften Kinder habe. Sie schreien nicht unkontrolliert herum, machen mutwillig Sachen kaputt, nehmen mir nicht die Wohnung auseinander. Einfach weil sie nicht die Typen dazu sind. Und ich bin sehr froh darüber. Ich komme ja jetzt schon immer wieder an meine Grenzen und in Situationen bei denen ich ganz tief in die Trickkiste greifen muss. Ihr kennt sie alle, die Kiste voller Süßigkeiten, kleinen Geschenken, Bestechungen halt. Die öffnet sich immer dann, wenn rationales Argumentieren nicht mehr hilft oder man schlicht und ergreifend keinen Bock mehr darauf hat, die rationale Erwachsene zu sein und auch nur ein Schlumpfeis mit Streuseln will!

„Ich möchte mich nicht verlieren!“

 

Ich bewundere sehr viele Mütter für ihre Geduld, Ausgeglichenheit, Kreativität mit ihren Kindern umzugehen. Ich kann das einfach nicht oder zumindest nicht immer. Der Gedanke, für die nächsten Jahre Vollzeit daheim bei meinen Kindern zu sein, treibt mir die schiere Panik ins Gesicht. Ich kann das nicht. Und ich will das nicht. Ich liebe meine Kinder sehr. Sie sind, neben meinem Mann, die tollsten Menschen auf dieser Erde, aber ich bin auch noch da. Ich habe Hobbies, Interessen und eine eigene Persönlichkeit. Ich gehe gerne tanzen, ich höre gerne laut Musik, ich liebe schlechte Witze, ich lese gerne und viel, ich kann für sehr viele Themen brennen und stundenlang darüber diskutieren, aber dafür brauche ich Kraft und Zeit (für mich). Und diese Kraft schöpfe ich aus Zeit mit mir allein bzw. mit meinem Mann oder mit meinen Freunden. Ich möchte mich als Mensch und Individuum einfach nicht verlieren.

Ich weiß, dass nicht jeder Tag so ist und dass ich im Großen und Ganzen eine gute Mama bin und meine Kinder toll geraten werden, einfach weil es bei uns zu Hause sehr viel Liebe gibt, die diese beiden Nasen umhüllen, aber manchmal reicht meine Kraft dann doch eben nur für mich.

Kennt ihr das? Geht es euch manchmal ähnlich? Wie sieht euer Punktekonto aus?

Ich schicke jedem einen Glühwein (oder Kinderpusch), der gerade einen braucht.

PROST,

eure Caro

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