Es gab einen Nachmittag im Sommer 2014, den weder ich, noch mein Mann bestimmt je vergessen werden. Unsere Tochter war ein paar Monate alt, die Sonne schien, es war ein Sonntag und eigentlich hätte alles so schön sein können. War es aber nicht.

Immer wieder …

Wir brachen mit dem Kinderwagen zu dritt auf zu unserem Sonntagsspaziergang, aber irgendetwas war anders mit mir. Ich freute mich nicht drauf, ich hatte keine Lust. Mehr noch, ich war furchtbar genervt. Genervt davon WIEDER diesen Kinderwagen zu schieben. Das tat ich ja eh schon die ganze Woche. Auch war ich genervt davon WIEDER die gleiche Strecke laufen zu müssen. Mit jedem Schritt wurde der Kloß in meinem Hals größer und es schnürte mir die Luft zum Atmen ab. Ich merkte wie Tränen in mir aufstiegen und wie mir ganz heiß wurde. Ich blieb stehen und weinte nur noch. Ich war so wütend, dass ich meinen Mann anschrie, dass ich keinen Bock mehr auf das alles habe. Dass ich nicht SCHON WIEDER diesen bescheuerten Kinderwagen durch diese bescheuerte Gegend schieben will, weil ich das ja eh schon JEDEN VERDAMMTEN TAG mache. Es kotzte mich einfach nur noch an. Ich drückte meinem Mann den Kinderwagen in die Hand und rannte nach Hause. Immer noch weinend.

Ich kann nicht mehr! Und ich will nicht mehr!

Das war das erste Mal in 9 oder 10 Monaten, dass mein Mann mit unserer Tochter über 2h spazieren ging. Irgendwann klopfte es leise an der Tür und er fragte mich, ob alles wieder okay sei. Ja, für einen kurzen Moment war es das auch. Ich hatte meinem Ärger Luft gemacht, aber ich wusste, wir wussten, dass das so nicht weitergehen kann.

Ich fühlte mich einsam. Mein Mann arbeitet lange und ich hatte das Gefühl nur noch mit meinem Baby zu Hause zu sein. Ich wollte wieder vernünftige Gespräche führen, mich mit anderen Mamas austauschen, einfach etwas machen, das Sinn ergibt. Ich weiß, dass Kinder erziehen und der ganze Mama-Alltag für sehr viele Menschen sehr sinnstiftend ist, für mich ist es das jedoch nur begrenzt. Ich brauche einen Ausgleich für mich, um wieder eine gute und vor allem zufriedene Mutter zu sein.

Alltag Alltag und neue Routinen

Unser Alltag damals war sehr durchgetaktet und doch irgendwie für mich nicht erfüllend. Ich fragte mich, wie ich diesem Gefühl der Einsamkeit entkommen konnte. Ich fragte in meinem damaligen Lieblingsforum nach und bekam sehr viele wertvolle und hilfreiche Tipps. Und ich nahm sie an und setze sie fast noch am gleichen Tag um.

Ich suchte mir eine Krabbelgruppe. Anna war motorisch ja sehr verzögert. Sie saß und krabbelte erst mit knapp über einem Jahr, also wollte ich ihr etwas bieten, das sie anspornt und mir etwas mehr Gesellschaft mit Gleichgesinnten verschafft.

Fündig wurde ich in meinem schon hier sehr oft erwähnten Tipi Tapa. Dort gingen Anna und ich also fortan 2 Mal pro Woche hin und ich lernte sehr viele tolle Mamas kennen, die ich auch heute noch zu meinen Freundinnen zähle.

Weiterhin ging ich mit Anna 2 Mal pro Woche zur Physiotherapie. Das klingt jetzt erstmal nicht so spannend, jedoch mochte ich auch die Physiotherapeutin so gerne, dass wir die ganze Zeit wie Freundinnen quatschten.

Außerdem konnte ich die Oma überreden, dass wir einmal in der Woche einen festen Besuchstermin haben.

Ungefähr zur gleichen Zeit begannen wir uns nach einer Babysitterin umzuschauen. Da Anna erst mit 18 Monaten in die Kita gehen sollte, dachten wir uns, dass das eine Chance wäre, damit ich mal mehr Luft hätte. Wir fanden eine ganz tolle und sie war eine Riesenerleichterung, wenn ich mal zum Friseur wollte, Klausuren schrieb oder einfach mal eine Pause brauchte. Aber auch mit ihr konnte man super quatschen und sich austauschen.

Raus aus der Einsamkeit

So brachte ich immer mehr liebe Menschen in mein Leben und meinen Alltag und kam somit recht schnell aus meinem eingeigelten Alltag heraus. Ich blühte wieder auf und vor allem hatte ich auch mal wieder was zu erzählen, wenn ich andere Menschen traf oder einfach nur mit meinem Mann am Abendbrottisch saß.

Die Situation entspannte sich dann von ganz alleine, als Anna dann in die Kita und ich wieder arbeiten ging. Erschöpft war ich dann zwar auch, aber es fühlte sie einfach anders an.

Kennt ihr das Gefühl der Einsamkeit oder genießt ihr die Zweisamkeit mit eurem Kind/Baby?

Schreibt mir doch einfach mal Eure Erfahrungen.

Liebe Grüße,

Eure Caro

 

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