Was machst du eigentlich den ganzen Tag? – Mein Alltag als „Working Mom“

Ich sitze am Küchentisch, trinke meinen Kaffee, mein Mandelhörnchen hat auch schon frischere Tage gesehen. Die Vögel zwitschern draußen, die Sonne scheint, draußen schreit ein kleines Kind, Eltern diskutieren, beschwichtigen, versuchen zu beruhigen. Es scheint nicht zu helfen. Langsam gehen sie weiter, das Kind trottet hinterher, immer noch traurig und schluchzend. Was es wollte? Weiß ich leider nicht. Ich weiß es ja nicht mal immer bei meinen eigenen Kindern.

Ich bemühe mich wirklich sehr, aber manchmal schaffe ich es einfach nicht. Niclas ist jetzt gerade dabei herauszufinden, dass er einen eigenen Willen hat, was ich auf der einen Seite total faszinierend und toll finde, weil ich ihn immer besser kennenlerne, aber auf der anderen Seite ist es einfach auch anstrengend.

Anna ist mit ihren 4,5 Jahren schon sehr selbstständig, kann und will viel alleine machen. Doch dann ist sie auf einmal wieder mein kleines Mädchen, das auf meinen Schoß kommt, kuscheln möchte und viel Mamazeit haben will.

 

Meine 1. Rückkehr 2015

Seit knapp 2 Wochen bin ich wieder zurück in meinem Job. Das zweite Mal. Wie ich mich das erste Mal gefühlt habe, könnt ihr hier nachlesen. Bei Anna war ich 2 Jahre daheim, habe von zu Hause aus gearbeitet und studiert.

Ich bin dann erst mit 30h/Woche (5 Tage à 6h plus 1h Mittagspause) wieder eingestiegen, was leider nicht gut geklappt hat und mich zum Reduzieren auf 18h/Woche (3 Tage à 6h plus 1h Mittagspause) zwang.

 

Meine 2. Rückkehr 2018

Auch hier bin ich wieder in der Elternzeit zurückgekehrt. Das nennt sich Teilzeit während der Elternzeit arbeiten. Was das für Vorteile hat, habe ich hier mal aufgeschrieben. Niclas ist seit Januar in der Kita, die Eingewöhnung ging schneller als gedacht, denn ich hatte mich bei meinem Arbeitgeber erst für März 2018 zurück gemeldet. Diesen einen freien Monat habe ich jedoch sehr genossen. Ich habe viel gelernt, konnte Krankheiten der Kinder abfangen und hatte mal wieder Luft um Dinge zu tun, die mir Spaß machen.

Kurz vor meiner Rückkehr, genauer gesagt, 1 Tag vorher, habe ich erfahren, dass ich einen neuen Chef bekomme. Puh. Okay, seine Mail klang nett, auf dem LinkedIn Foto sah er auch sehr nett aus. Na mal schauen. Ich lasse mich gerne überraschen.

Ich starte jetzt also mit 20h/Woche, verteilt auf 4 Tage à 5h plus 1h Mittagspause. Einen Tag brauche ich einfach für die Uni, sonst komme ich nie voran.

 

Mein 1. Tag

Ich wurde wirklich sehr nett empfangen. Immerhin hatte ich ein komplett neues Team, das auch noch sehr jung im Altersdurchschnitt war. Und ich bin ja erst 31 😊 Aber okay. Der Tag startete sehr entspannt mit einem Community Frühstück, das sehr lecker aussah. Leider bekam ich kaum was runter, da ich schon ein bisschen was gefrühstückt hatte und ich so aufgeregt war. Aber bei dem Frühstück sah ich auch endlich mal wieder ein paar alte Gesichter, was sehr beruhigend war.

Anschließend lernte ich mein Team kennen, holte meinen Laptop etc. ab, bekam meinen Schreibtisch und schon war Lunchpause. Ich hatte immer noch keinen Hunger, versuchte aber wenigstens ein bisschen was zu essen, einfach damit ich nicht umfiel. Die letzten 2 Stunden vergingen sehr schnell, da ich für meine ersten 2 Wochen einen vollen Terminplan bekommen habe, um mich wieder auf den neuesten Stand zu bringen.

 

Gestresst und müde

So liefen die Tage bisher ab, nur das Frühstück gibt es leider nur 1 Mal/Woche 😁 Zur Arbeit selber kann ich noch gar nicht so viel sagen, da ich etwas anderes mache, als vorher, aber nicht weniger zeitintensiv. Jedoch kann ich sagen, dass ich mich nach diesen 2 Wochen gestresst und vor allem müde fühle. Nicht von der Arbeit an sich, sondern von dem ganzen Drumherum.

Mein Tag beginnt meist gegen 6:20 Uhr. Ich stehe auf und habe ca. 45 Minuten für mich. Duschen, anziehen, schminken etc. Mein Mann steht mit den Kindern auf und fängt schon mal an zu frühstücken.

Kurz nach 7 Uhr trinke ich einen Kaffee, essen kann ich um diese Uhrzeit höchstens das Überbleibsel der Banane, die Niclas nicht schafft. Dann mache ich Niclas frisch, ziehe ihn an und dann darf er noch spielen. Ich helfe Anna beim Anziehen, dann geht es für beide ins Bad, waschen, Zähneputzen, kämmen. Haarspange ja oder nein? Zopf ja oder nein? Alle sauber? Super.

Dann wird der Kleine in den Schneeanzug gesteckt, Anna läuft weg, weil sie noch spielen möchte oder eine bestimmte Puppe (ersetze Puppe durch beliebiges Spielzeug) sucht und unbedingt !!! mitnehmen will. Mehrere Ermahnungen und Androhungen von Fernsehverbot etc. später, zieht auch sie ihre Jacke an. Welche Mütze? Rosa oder blauer Schal? Welche Stiefel? Die blinkenden oder lieber die anderen? Nein, einen Rock können wir jetzt nicht mehr anziehen. WIR MÜSSEN LOS! 7:55 Uhr sitzt Niclas endlich im Buggy und Anna darf den Fahrstuhlknopf drücken.

Ich bin schweißgebadet, mittlerweile hungrig und latent genervt.

In der Kita alle schnell ausziehen. Nein, Niclas, nicht weg krabbeln, erst Hausschuhe anziehen. Anna, zieh bitte deine Jacke aus. Nein, nicht auf den Boden werfen, bitte an deinen Haken hängen. Ja, Mist, wir haben die Puppe vergessen. Nein, ich kann sie leider nicht mehr holen ETC. ETC. ETC.

Beide bekommen ihr Küsschen und ihr „Ich habe dich sehr lieb“ und dann springe ich 8:10 Uhr aus der Kitatür in der Hoffnung, dass mein Bus noch nicht weg ist.

 

Geschafft

Die U-Bahn ist zum Glück noch leer, ich setze mich und atme das erste Mal seit meiner Dusche tief durch. 20 Minuten Zeit für mich. Lesen, Hörbuch hören, nichts tun.

8:45 Uhr komme ich im Büro an, hole mir einen Kaffee, fahre meinen PC hoch und schnappe mir eine Banane. Diesmal eine Ganze, nur für mich. Ohne Babysabber dran. Irgendwie fehlt etwas.

15 Uhr fahre ich meinen PC wieder herunter, eile zur U-Bahn und zum Bus, gehe einkaufen und eile nach Hause um die Einkäufe abzuwerfen um wenigstens 16 Uhr an der Kita zu sein. Anna findet das gar nicht schlimm, sie spielt sehr gerne noch länger in der Kita, aber bei Niclas merke ich schon, wie lang der Tag für ihn ist. Wenn ich nicht einkaufen oder was erledigen muss, bin ich sogar schon 15:30 Uhr an der Kita. Dann habe ich länger was von den beiden. Niclas geht ja meist schon 18 Uhr ins Bett, da bleibt nicht viel Zeit zum Spielen oder knuddeln.

Das ist auch ein Grund warum ich abends nicht mehr aufwändig koche. Es geht einfach zu viel Zeit dafür ins Land. Wir spielen, essen zusammen, dann wird gewaschen, Zähne geputzt etc. und dann schläft der kleine Mann und ich habe Anna-Mama-Zeit bis sie auch gegen 19:30 Uhr ins Bett geht. Erst danach kommt der Papa heim und möchte auch was von mir haben. In den letzten Tagen fand er mich jedoch schon schlafend im Bett. Ich konnte einfach nicht mehr. Mein Akku war leer.

 

Alles nur Gewöhnung?

Ich hoffe, dass es wirklich nur eine Gewöhnungssache ist. Dass ich erst eine richtige Routine finden muss. Wir alle finden müssen. Dass ich auch mal wieder zum Sport machen komme oder nicht in so einem Hamsterrad bin. Ich denke, dass sich alles finden wird.

Lernen in der Mittagspause

 

Ich fühle mich dennoch sehr wohl mit der Entscheidung wieder arbeiten zu gehen. Ich bin keine Hausfrau, das erfüllt mich nicht. Aber ich sehe auch die Nachteile, die wenige Zeit mit meinen Kindern, die wenige Zeit für mich, dafür aber am Ende des Monats mehr auf dem Konto, das mich ruhiger schlafen lässt. You can’t have it all. Meine Kinder werden durch meinen Job nicht weniger geliebt und ich habe das Gefühl, die Zeit mit ihnen jetzt noch mehr zu genießen.

Wie seht ihr das? Was sind eure Erfahrungen und Gefühle?

Habt einen schönen Sonntag,

Eure Caro

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