Achtsamkeit in der Erziehung – Ein weiteres To Do auf der Eltern-Liste?

Hallo ihr Lieben,

Gestern war ich zum Bloggerfrühstück der Bepanthen-Kinderförderung eingeladen. Dort saßen einige Blogger wie Lucie Marshall, Alu von Grosse Köpfe und Bea und Yvonne von Tollabea zusammen mit Experten wie Regina Gropp, Katia Saalfrank und Dr. Ziegler von der Uni Bielefeld. Thema des Frühstücks war die Studie der Uni Bielefeld gemeinsam mit der Bepanthen Kinderförderung zum Thema „Achtsamkeit in der Erziehung“.

In den letzten 1-2 Jahren liest man sehr viel über das Thema Achtsamkeit. Runterkommen, zu sich finden, sich selbst annehmen wie man ist, genauer in sich hinein hören um genau zu erspüren was man selber braucht. Mehr wertvolle Zeit für und mit sich selbst verbringen und sich besser kennenlernen.

Achtsamkeit = Egoismus?

Prinzipiell finde ich diese Richtung sehr gut, denn man betrachtet sich auch mal mit anderen Augen und ist somit in der Lage Probleme zu lösen, die einen schon länger beschäftigen.

Aber was ist mit den Menschen um uns herum? Unsere Familie und Freunde? Sollte sich die Achtsamkeit nicht auch auf sie und den Umgang mit den geliebten Menschen beziehen? Sollten wir unseren Kindern, Partnern und Freunden nicht auch feinfühlig und empathisch gegenüber treten um herauszufinden was sie wirklich beschäftigt? Sollten wir nicht ein ernstes Interesse an den Menschen um uns herum haben?

Ein weiteres To Do?

Natürlich ist das nicht immer leicht, denn auch ich finde, dass Achtsamkeit, sei es uns oder aber anderen Menschen gegenüber, Zeit und einen gewissen Raum benötigt. Gerade Eltern kennen diese imaginäre To Do-Liste. Sind die Kinder gesund, glücklich, fördern wir sie genug, sind sie mit ihren Altersgenossen gleich auf oder hinken sie vielleicht irgendwo hinterher? Habe ich heute schon genug mit ihnen gespielt, gelesen etc. oder hatte ich zu oft mein Handy in der Hand? All dies (und noch vieles mehr) sind Dinge, die Eltern sich täglich fragen und nun soll auch noch das Thema Achtsamkeit in der Erziehung auf diese endlos scheinende Liste? Puh! Ich weiß nicht…

Was soll das alles überhaupt? Ist das nicht einfach wieder ein weiterer neumodischer Schnickschnack wie Babyyoga und Babyccino? Nein! Das Thema ist und war wichtig. Vielleicht hat es jetzt nur einen Namen?

Die Bepanthen-Kinderförderung hat im Jahr 2017 gemeinsam mit der Uni Bielefeld eine Studie mit über 1000 Kindern, Jugendlichen und Eltern gemacht und herausgefunden, dass sich jedes 3. (!) Kind und jeder 5. Jugendliche nicht genug beachtet fühlt. Keine Rolle spielten bei dem Ergebnis die soziale oder regionale Herkunft oder ob es Alleinerziehende oder Patchworkfamilien waren.

Ich persönlich finde dieses Ergebnis sehr erschreckend, gerade wenn man daran denkt, wie viel Zeit Eltern heutzutage mit ihren Kindern verbringen und welch hohen Stellenwert Kinder haben. Kinder bestimmen laut Studie 75% des Alltags und damit fühlen sich sehr viele Eltern nicht wohl. Sie sind immer noch unsicher in ihrer Elternrolle und trotz des hohen Anteils fühlen sich Kinder immer noch nicht genug beachtet.

Woran liegt das?

Eine Antwort ist Geschwisterkinder. Egal wie viele Kinder es in der Familie sind, bei mehr als 1 steigt die Unzufriedenheit. Liebe kann man halt nicht wirklich aufteilen, Zeit schon. Die Unzufriedenheit der Kinder ist auch in Bezug auf die Sicherheit der Eltern in ihrer Elternrolle betrachtet worden. Fühlen sich Eltern sicher in ihrer Rolle, so sind die Unzufriedenheit oder Sorgen der Kinder etwas kleiner.

Wie kann man dieses Gefühl ändern?

Katia Saalfrank, Pädagogin und Schirmherrin der Bepanthen Kinderförderung, plädiert ganz klar dafür die kleinen, kostbaren Momente, die es in der Eltern-Kind-Beziehung gibt, mehr zu genießen. Dafür braucht es nicht viel Zeit, denn manchmal ist es ein bestimmter Blick, ein Streicheln, ein liebes Wort und am aller wichtigsten ehrliches Interesse! Das heißt nicht, dass man dem Kind stundenlang beim Legobauen zuschauen muss, obwohl man dazu keine Lust hat, sondern sich authentisch zu verhalten und dem Kind nichts vorspielen. Ehrliches Interesse kann man wohl auch lernen, sagt sie. Interesse an dem Kind / dem Menschen einfach seines selbst Willen und weil man sich selbst vielleicht wiedererkennt.

Was sind die Folgen von „Unachtsamkeit“?

Die Uni Bielefeld hat ebenfalls herausgefunden, dass die Kinder, die sich nicht genug beachtet fühlen, häufiger verhaltensauffällig sind und sich schlecht in andere Menschen hineinfühlen können. Sie sind empathielos und zeigen vermehrt Aggressivität. Auch weisen diese Kinder häufiger somatische Beschwerden wie Bauchschmerzen o.ä. auf.

Häufig wird heute nur das Verhalten bewertet und therapiert, jedoch nicht auf die möglichen Ursachen geschaut. Das muss sich ändern! Die Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen muss nicht immer 100% Quality Time sein, das Glas an Liebe und Geborgenheit lässt sich auch durch kleine Gesten auffüllen, die aber von Herzen kommen und ehrlich sind. Ein Kind möchte immer spüren, dass es wertvoll ist und dass es bedingungslos geliebt wird und nicht erst, wenn es lieb und brav ist. Kinder sind sehr feinfühlig und spüren die Gefühle ihrer Eltern sehr gut und reagieren dementsprechend darauf.

Wir als Eltern sollten dies auch wieder mehr in den Fokus rücken ohne dass wir ein Häkchen dahinter setzen müssen, sondern weil es unsere Haltung unseren Kindern gegenüber ist.

Ich möchte mich hiermit für die Einladung zu diesem Frühstück und für die spannende Diskussion bedanken. Es war toll, sich mit Euch auszutauschen und die Ergebnisse dieser Studie diskutieren zu können.

Bis zum nächsten Jahr!

Was ist eure Meinung zu diesem Thema?

 

Liebe Grüße,

Eure Caro

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