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LAW // Warum man kein Inkassounternehmen braucht – mein Thermomix-Desaster

Hallo allerseits,

ich weiß, dass dies ein Thema ist, das nicht viele von Euch Stammlesern interessiert, aber dennoch kann jeder von uns in die Situation kommen, dass man ein Kaufvertrag abgeschlossen hat, das Geld bezahlt hat und man dann die Ware/Gegenleistung nicht erhält. Was macht man denn dann? Genau diese Frage stellte ich mir im Januar diesen Jahres auch. 

Vorgeschichte

Viele von Euch haben meine Instagram Stories zum Thema Thermomix verfolgt und ich bekomme sehr viele Nachrichten, wie es denn nun weitergeht. Aber von Anfang an.

Ich habe im Januar bei Ebay einen Thermomix für 880 Euro gekauft und per Überweisung bezahlt. Ein paar Tage später erhielt ich eine Nachricht von der Verkäuferin, dass sie vor dem Versenden jetzt gemerkt habe, dass das Display nicht mehr geht. Sie hatte ihn im Keller stehen, deswegen hätte sie das nicht vorher bemerkt. Sie hätte aber noch Garantie auf dem Thermomix und würde ihn einschicken. Gleichzeitig brach sie aber den Kauf über Ebay ab. Ebay meldete sich daraufhin mehrfach bei ihr, dass sie nun verpflichtet ist mir das Geld zurück zu überweisen. Dies beteuerte sie mir immer wieder auch in Nachrichten. Ich wartete und wartete…

Ein Kaufvertrag ist gem. §433 BGB zustande gekommen. Sie hat den Artikel angeboten, ich konnte einen Preisvorschlag senden, diesen hat sie angenommen, somit waren alle wichtigen Vertragsbestandteile klar und der Vertrag ist wirksam (mittlerweile glaube ich jedoch, dass sie unerkannt geisteskrank ist 😉 )

Mahnung / vorgerichtliches Verfahren / kostenloses Inkasso

Nach ca. 3 Wochen und einigen Nachrichten hin und her, erneuten Remindern von Ebay an sie, schrieb ich eine weitere Nachricht, in der ich die ein letztes Mal darum bat mir mein Geld zu überweisen, da ich sie ansonsten wegen Eingehungsbetruges (strafrechtliche Verfolgung) anzeige und einen Mahnbescheid (zivilrechtliche Verfolgung) gegen sie erlasse. Diese Nachricht habe ich auch Mahnung genannt. Bitte nicht mit einem Mahnbescheid verwechseln! Als sie daraufhin nicht reagierte (bzw. erst nach einer weiteren Woche), erstellte ich online eine Strafanzeige. Dazu habe ich alle Daten angegeben, die ich hatte. Kontodaten, Name, Adresse etc. Weiterhin habe ich einen Mahnbescheid beantragt. Auch dies kann man online ausfüllen, ausdrucken und dann abschicken.

An diesem Punkt möchten nun einige Geschädigte ein Inkassounternehmen einschalten. Diese werben meist damit, dass sie für den Auftraggeber kostenfrei arbeiten und dies sogar auch bei Nichterfolg. Solche Samariter. Die arbeiten einfach ohne bezahlt zu werden. Solche Unternehmen schickt der Himmel.

Nein, Spaß beiseite. Sie sagen natürlich, dass sie sich das Geld vom Schuldner (in meinem Fall die Verkäuferin) zurückholen. Clevere Sache, aber was genau macht denn ein Inkasso anders, als was ich jetzt gemacht habe? Genau, nichts! Naja, doch. Ihr habt bestimmt schon mal Schreiben von Inkassounternehmen gesehen. Sie bauen unglaublich viel Druck auf, drohen mit hohen Gebühren, Strafen etc. Bei einigen mag schon der Briefkopf mit dem Inkasso-Logo für Schweißperlen auf der Stirn sorgen. Bei vielen aber auch nicht. Denn viele wissen, dass das nur heiße Luft ist. Zumindest bis zum gerichtlichen Verfahren. Denn im Kleingedruckten steht dann, dass das Inkasso ab hier leider nicht mehr kostenfrei arbeiten kann. Wieso? Lest weiter und ich zeige Euch wieso.

(Wenn sich euer Gegenüber von einem Inkassoschreiben einschüchtern ließ, dann ist die Masche aufgegangen und der Schuldner bezahlt eure Forderung plus die Inkassogebühr. Wenn nicht, habt ihr Pech gehabt und dürft ab jetzt für einen „Service“ zahlen, den ihr auch hättet alleine machen können. Nur jetzt kommt ihr nicht mehr aus dem Inkassovertrag heraus. Wäre ja auch schön blöd, denn ab jetzt verdienen sie ja dran.)

 

Gerichtliches Verfahren

Ab JETZT befinden wir uns im gerichtlichen Verfahren. Die Beantragung eines Mahnbescheides kostet eine Gerichtsgebühr, da der Mahnbescheid von einem Mahngericht erlassen werden muss. Diese Gerichtsgebühr kann auch von einem Inkasso nicht umgangen werden. Diese Gebühr hängt vom Streitwert ab. Bei mir waren das ca. 30 Euro. Diese Gebühr kommt aber auf meine Forderung gegen meine Verkäuferin obendrauf. Das heißt, dass wir jetzt schon bei 919,95 Euro (880€ Thermomix + 9,95€Porto + 30€ Gebühren) sind. Ich habe auch noch Zinsen i.H. von 5%-Punkten seit Fälligkeit der Forderung (der Überweisung von mir bzw. seit meiner letzten Mahnung) und mein eigenes Porto (1,45€ Brief ans Mahngericht) geltend gemacht.

 

Wenn man den Antrag auf einen Mahnbescheid ausfüllt, wird man gefragt, ob die Zustellung des Mahnbescheids per Gericht veranlasst werden soll. Das habe ich bejaht. Das heißt, man schickt den Antrag auf Mahnbescheid ab, wartet und bekommt dann einen Brief mit dem Mahnbescheid an sich und der Nachricht, wann dieser bei meiner Verkäuferin eingegangen (zugegangen) ist. Sie hat daraufhin 2 Wochen Zeit um zu reagieren, also in Widerspruch zu gehen. Gleichzeitig mit dem Antrag auf Mahnbescheid habe ich gesagt, dass ich sofort nach Ablauf dieser 2-Wochen-Frist einen Antrag auf Vollstreckung stellen möchte.

Diese 2-Woche-Frist ist nämlich keine starre Frist. Die Verkäuferin hätte theoretisch auch noch nach den 2 Wochen Zeit Widerspruch einzulegen, wenn ich keinen Antrag auf Vollstreckung gestellt hätte. Da ich dies aber verhindern wollte und den ganzen Prozess beschleunigen wollte, habe ich den Antrag auf Vollstreckung direkt im Anschluss gestellt.

Für diesen ganzen Zeitraum fallen natürlich auch Zinsen zu meinen Gunsten an, die auf meine Forderung obendrauf kommen. Nachdem ich den Vollstreckungstitel hatte (sie hat nämlich nicht auf den Mahnbescheid reagiert oder ist in den Widerspruch gegangen), habe ich eine Kontopfändung bei dem Konto veranlasst, auf das ich das Geld überwiesen habe.

Gleichzeitig sucht man sich über den Gerichtsfinder das zuständige Gericht heraus und bestellt einen Gerichtsvollzieher. Dies kostet auch nochmal eine Gebühr (bei mir ca. 35€). In meinem Fall meldete sich die Bank bei mir und teilte mir mit, dass die Dame kein Geld auf dem Konto habe und die Bank noch eigene, vorrangige Forderungen gegen meine Verkäuferin hat. Düdümm- mein Geld ist also vorerst weg. Die Kontopfändung läuft jedoch eine ganze Weile und sobald Geld eingeht und die Bank „befriedigt“ ist, bin ich an der Reihe, sofern sie nicht noch weitere Gläubiger hat.

 

Dies alles hätte jetzt ein Inkasso übernommen und eine ordentliche Bearbeitungsgebühr (plus die Gerichtsgebühren) gefordert. Genau, und zwar von dir. Wenn der Schuldner nämlich nichts hat, werden die Gebühren von dir verlangt. Das heißt, du hast für eine Leistung bezahlt, die du ohne großartige Kenntnisse hättest alleine machen können und bleibst auf deiner Forderung sitzen. Nochmal Düdümm!

Du kannst natürlich deine Forderung auch an ein Inkassounterehmen abtreten, also verkaufen. Dann zahlt dir das Unternehmen nach Abwägung der Ausfallwahrscheinlichkeit einen Teil deiner Forderung aus. Du brauchst dich dann um gar nichts mehr kümmern. Du bekommst das Geld vom Inkasso und bist glücklich. Das Inkasso fordert natürlich die volle Summe plus Gebühren und Gedöns vom Schuldner ein. Hat das Inkasso Glück und der Schuldner zahlt die volle Summe, schaust du in die Röhre, weil du nur einen Teil davon bekommen hast. Zahlt der Schuldner nicht, kannst du dich freuen, dass du wenigstens überhaupt was bekommen hast. Aber wie gesagt, eine solche Forderungsabtretung wird immer erst gemacht, nachdem das Inkasso das Risiko ausgelotet hat, wie wahrscheinlich der Schuldner zahlen kann.

Fazit

Wenn du also keine 50 offenen Forderungen hast, kannst du dir ein Inkasso sparen. Die Beauftragung eines Inkassounternehmens kann Sinn machen, wenn du viele Schuldner hast, die deine Rechnungen nicht bezahlen wollen und du mit der Verwaltung gar nicht mehr zum Arbeiten kommen würdest.

Ich habe mein Geld leider immer noch nicht wieder, jedoch arbeitet das LKA in Berlin und die Polizei in Bayern bzw. mittlerweile die Staatsanwaltschaft an dem Fall und ich bin zuversichtlich wenigstens auf dem strafrechtlichen Weg meine „Gerechtigkeit“ zu bekommen. Wir werden sehen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen die Angst vor einem solchen Verfahren nehmen und dich vor unnötigen Ausgaben schützen.

 

Alles Liebe,

Caro

 

 

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Hallo und herzlich Willkommen! Ich bin Carolin, 31Jahre jung und Mama von 2 wunderbaren Kindern. Ich studiere Jura, blogge über unser Familienleben in Berlin, über die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie und über allerlei Leckereien und schönen Dinge des Lebens. Ich wünsche Dir ganz viel Freude hier auf meinem Blog!

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