Inkontinenz nach der Geburt – Behandlungsmöglichkeiten #lebenstattmüssen

Inkontinenz, Blasenschwäche, Bettnässen bei Kindern – Vieles ist behandelbar

Es dürfte so ziemlich jede Mama unter uns kennen. Wir haben gerade ein Kind geboren und mit dem Urin halten klappt es noch nicht so gut. Wenn ihr eine gute Hebamme (oder Freundinnen, die offen darüber sprechen) habt, dann wisst ihr, dass das erst einmal völlig normal ist.

20% der Frauen haben nach der Geburt Probleme ihren Urin zu halten. Das Risiko für Inkontinenz steigt, wenn das Kind sehr groß ist und die Geburt länger dauert.

Bei meinem Treffen mit dem Arzt Dr. Thomas Fink (Leiter Urogynäkologie, Leitender Oberarzt Gynäkologie und Begründer des Beckenbodenzentrums in Berlin Lichtenberg) und Hebamme Jana Friedrich (bekannt von ihrem tollen Hebammenblog) haben wir über dieses Tabuthema gesprochen und ich war sehr überrascht, wie viele Behandlungsmöglichkeiten es, auch für bettnässende Kinder, gibt.

Was ist überhaupt Inkontinenz?

„Inkontinenz nennt man die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, den Blasen- und/oder Darminhalt sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann und wo er entleert werden soll. Unwillkürlicher Urinverlust oder Stuhlabgang sind die Folgen.“ (Quelle: Kontinenz Gesellschaft)

 

Zu aller erst möchte ich Euch sagen, dass Inkontinenz in den meisten Fällen heilbar ist. Dazu muss aber zunächst einmal unterscheiden werden, unter welcher Form der Inkontinenz man leidet.

Formen der Harninkontinenz

• Belastungsinkontinenz

• Dranginkontinenz

• Mischinkontinenz

• Überlaufinkontinenz

• Supraspinale und spinale Reflexinkontinenz

• Extraurethrale Inkontinenz

• Enuresis (nächtliches Einnässen bei Kindern)

• Nykturie (nächtliches Wasserlassen bei Erwachsenen)

 

Eine sehr bekannte Form ist die Belastungsinkontinenz. Das heißt, man verliert Urin beim Lachen, Husten, Niesen, Tragen oder Heben. Eben immer wenn es zu einer Belastung kommt. Hier ist meist der Schließmechanismus der Harnröhre geschädigt. Die Ursache dafür ist ein geschwächter Beckenboden. Der Beckenboden wird während einer Schwangerschaft und bei einer Geburt enorm strapaziert und belastet und kann z.B. durch sehr lange Pressphasen geschädigt werden. Er kann aber auch durch hormonelle Umstellungen, wie z.B. in den Wechseljahren geschwächt werden.

Alle weiteren Formen werden in diesem PDF der Kontinenz Gesellschaft beschrieben.

Was kann man tun?

Man kann den Beckenboden bereits während der Schwangerschaft mit gezielten Übungen stärken. Das wusste ich z.B. nicht. Ich dachte immer, dass das während der Schwangerschaft eh nichts bringt. Aber das Risiko einer Inkontinenz nach der Geburt sinkt erheblich, wenn man vorher bereits den Beckenboden stärken konnte. Aber auch ein Training danach (zusätzlich zur Rückbildungsgymnastik) evtl. in Kombination mit Elektrostimulation und BioFeedback hilft den Beckenboden zu stärken und Inkontinenz vorzubeugen.

 

Was hilft noch? 

Nichtrauchen: ab 20 Zigaretten pro Tag erhöht sich das Risiko einer Beckenbodenschwäche

Normalgewicht halten: Eine Gewichtsreduktion um 5% kann Inkontinenz um bis zu 50% mindern

Koffein und Tee reduzieren

Verstopfung und starkes Pressen vermeiden

 Einsatz von Pessaren

Operative Wiederherstellung der Beckenboden- und Harnröhrenfunktion

neuerdings medikamentöse Therapiemöglichkeit bei geringradiger Belastungsinkontinenz

Stabilisierung der Harnröhre durch Einbringung eines Gel-Implantates

Inkontinenz nach der Geburt Fakten und Zahlen

Ca. 8 Wochen nach der Geburt sollten Frauen ihren Urin wieder kontrolliert halten können. Klappt das noch nicht, sollte man einen Arztbesuch in einem Beckenbodenzentrum oder bei einem Urogynäkologen nicht scheuen.

Kontinenz- und Beckenbodenzentren findet ihr hier.

Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die ein Arzt einsetzen (Pessare) kann. Auch kann ein Bändchen dauerhaft gelegt werden, damit ein unkontrollierter Urinaustritt verhindert wird.

Wichtig ist, dass ihr mit dem Thema nicht alleine seid und euch nicht davor scheuen solltet, einen Arzt aufzusuchen. Denn man muss mit einer Inkontinenz nicht mehr einfach so leben!

Alles Liebe,

Eure Caro

PDF Converter    Send article as PDF   
Share: