Alexander Jorde
Bücher,  Gesundheit,  Krankenhaus

Kranke Pflege – Pflegenotstand in Deutschland an 3 Beispielen

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Ich bin 32 Jahre jung und ehrlich gesagt denke ich nicht wirklich oft daran wie es ist, wenn ich alt bin. Welcher junge Mensch tut das schon gerne? Man ist jung, man möchte etwas erleben. Schule, Ausbildung, Studium, Haus bauen, Wohnung kaufen, Kinder haben oder auch nicht. Die Themen Alt werden / sein und Pflege sind für mich einfach noch sehr weit weg.

Genauer gesagt ist alt sein einmal 5km, einmal 150km und einmal 170km von mir entfernt.

Oma 1 – demenzkrank, gelebt im Pflegeheim

Erst wurde sie demenzkrank, dann starb ihr Mann und sie kam in ein Pflegeheim. Kosten: ca. 2800€ monatlich. Meine Omi mütterlicherseits war eine tolle Frau. Lebenslustig, aufopferungsvoll, fröhlich und Mutter von 3 Kindern. Sie konnte toll kochen, bis sie eines Tages die Pfanne auf dem Herd vergaß und damit beinahe das Haus abfackelte. Von da an ging sie los, die Demenz und sie blieb und sie wurde immer schlimmer. Mein Opa starb und sie kam, weil sie nur noch ein Bein hatte und alleine zu Hause nicht zurecht kam, in ein Pflegeheim.

Vielleicht half ihr die Demenz in dieser Situation, denn sie freute sich immer über ihre „neuen“ Tischgenossinnen. Darüber hinaus vergaß sie zum Glück auch, dass sie stundenlang nicht gewindelt wurde oder man ihr keine frische Kleidung anzog, sie nicht oder nicht regelmäßig wusch, was man irgendwann roch, wenn man sie besuchte. Uns als Familie fiel auf, dass erstaunlich wenig Pflegekräfte beim Essen vor Ort waren. Alle wuselten herum und hatten keine Zeit den Bewohnern Hilfestellung beim Essen und Trinken zu geben. Manchmal übernahmen wir das einfach, wenn wir es nicht mit ansehen konnten. Sie selbst konnte uns nicht wirklich viel über die Zustände berichten.

Eines Tages sollte sie auf die Toilette gehoben werden und wurde „fallengelassen“, sodass sie sich den Oberschenkelhals brach und ins Krankenhaus kam. Dort verstarb sie kurze Zeit später.

 

Oma 2 – Ambulanter Pflegedienst auf dem Dorf – 4 Mal fremde Gesichter pro Tag

Meine Oma väterlicherseits wird seit geraumer Zeit von einem ambulanten Pflegedienst betreut und bekommt 4 Mal am Tag Besuch. Sie bekommt ihr Mittagessen geliefert, ihr wird beim Anziehen und Waschen geholfen und der Haushalt ein wenig erledigt. Sie erzählte mir, dass es nahezu täglich vorkommt, dass bei allen 4 Besuchen jemand anderes vor der Tür steht und sie nicht mal weiß, ob derjenige wirklich vom Pflegedienst ist. Gerade vor Diebstählen hätte sie Angst, da fremde Personen in ihren persönlichen Sachen herumwühlen und sie auch keine Vertrauensbasis aufbauen kann. Als sie die Pflegeleitung auf die hohe Fluktuation ansprach, hieß es nur, dass der Job eben unbeliebt sei und sie viel mit Leiharbeitern und Aushilfen arbeiten müssten um überhaupt alle Patienten abdecken zu können.

Zum Glück ist meine Oma eine aufgeschlossene, fröhliche und doch noch recht fitte Person, die sich wenig beschwert und immer versucht das Positive zu sehen. In erster Linie ist sie froh, dass überhaupt jemand kommt.

Tante – Ambulante Pflege in der Großstadt – Schnell und anonym

Die dritte Geschichte handelt von einer guten Freundin meines Opas, für mich und meine Mama ist sie nur die alte Tante (lieb gemeint). Sie ist fast 90 Jahre alt und lebt in einer kleinen Wohnung nicht allzu weit weg von mir. Sie ist sehr fit im Kopf, jedoch ist sie gefangen in einem alten, zerbrechlichen Körper, was ihr am meisten zusetzt. Auch sie bekommt 3 Mal täglich Besuch von einem ambulanten Pflegedienst und auch hier sind es stetig wechselnde Gesichter, die sie waschen, anziehen, ihre Wäsche legen und sie auf die Toilette begleiten – also das Intimste von ihr kennen. Sie hingegen kennt noch nicht mal die Namen der Menschen, dessen Hand sie gerade an ihrem Hinterteil spürt. Auch sie hat Angst bestohlen zu werden, hat Angst, dass die Menschen, die zu ihr kommen, keine Ahnung haben, und sie ihre Fragen nicht beantworten können, weil sie kaum ein Wort Deutsch sprechen. Auch hier ist die Ausrede der Pflegeleitung die gleiche. Nicht genügend Pfleger, nur Aushilfen. Sie sagt, dass sie froh ist, dass sie das alles nicht mehr allzu lange mit erleben muss.

Meine Gefühle

Ich habe einen Kloß im Hals und bin traurig und schockiert über diese Zustände in Deutschland, in diesem reichen Deutschland, in dem jeder kranken- und pflegeversichert ist und ca. 30% eines Durchschnittsgehalts für Sozialabgaben ausgegeben werden.

Jorde gegen Merkel

So fassungslos über die Situation, die auch noch sein täglicher Arbeitsplatz ist, war auch Alexander Jorde. Ein junger Mann, der sich entschieden hat Altenpfleger zu werden und der den Mut hatte, sich in der Wahlarena Angela Merkel zu stellen. Darüber hinaus hat er auch ein Buch geschrieben, wovon ich Euch ein Exemplar verlosen darf.

Alexander Jorde Kranke Pflege

 

Er stellte sich und auch Angela Merkel die Frage, wie es mit der Pflege in Deutschland weitergehen soll. Welche Standards müssen z.B. auf Normalstationen in Krankenhäusern eingeführt werden. Reicht es aus den Pflegebegriff neu zu definieren oder braucht es noch mehr? Noch mehr Geld? Noch mehr Anreize für junge Menschen diesen Beruf ausüben zu wollen? JA, JA, JA!

Alexander Jorde kritisiert in seinem Buch jedoch nicht nur die Missstände, sondern verdeutlicht, wie gerne und mit wie viel Herzblut er seinen Job ausübt. Darüber hinaus gibt er sinnvolle Tipps, wie man die große Katastrophe, den kompletten Einbruch der Pflege in Deutschland, etwas abfedern kann.

Das Buch „Kranke Pflege“ ist spannend, interessant und empathisch geschrieben und liest sich sehr schnell weg. Alexander Jorde hat es geschafft, dieses schwere, wichtige Thema gut lesbar zu verpacken und es somit möglich gemacht auch jüngere Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Alexander Jorde Kranke Pflege

 

Alexander Jorde Kranke Pflege

Wenn Du ein Exemplar des Buches „Kranke Pflege“ von Alexander Jorde gewinnen möchtest, dann schreib mir doch einfach mal deine Gedanken zu dem Thema in die Kommentare.

Das Gewinnspiel endet am 9.03.19 um 18 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnehmen dürften alle, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Deutschland oder Österreich wohnen. Keine Barauszahlung des Gewinns. Der Gewinner*in wird per Mail kontaktiert, also bitte gib eine gültige Mailadresse an. Der Preis darf nicht getauscht oder übertragen werden.

 

Alles Liebe,

Eure Caro

Hallo und herzlich Willkommen! Ich bin Carolin, 31Jahre jung und Mama von 2 wunderbaren Kindern. Ich studiere Jura, blogge über unser Familienleben in Berlin, über die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie und über allerlei Leckereien und schönen Dinge des Lebens. Ich wünsche Dir ganz viel Freude hier auf meinem Blog!

3 Comments

  • Jenny

    Hallo 🙂
    Interessantes Thema, über das auf jeden Fall viel diskutiert und gesprochen werden muss, um langfristig eine Lösung zu erzielen. Ich mache mir über die Pflege auch viele Gedanken, meine Oma hat Pflegestufe 4, ist hochgradig dement und wird seit Jahren von meiner Mutter bei uns zuhause gepflegt – allerdings muss man sich dabei auch eingestehen, dass das gewaltig an die Nerven und die eigene psychische Verfassung geht. Ich weiß nicht, ob das noch weitere Jahre gut geht, kann mir aber auch nicht vorstellen, meine Oma in einem Pflegeheim zu sehen -vor allem nicht unter diesen Umständen. Und wenn man dann drüber nachdenkt, wie es irgendwann mit den eigenen Eltern aussieht oder eben in weiter Zukunft auch mit sich selbst, regt das schon zum Nachdenken an.
    Das Problem ist aber, man sieht, wie schlecht es um den Beruf gestellt ist und ich persönlich befinde mich grade in der „Berufsfindung“, aber ganz ehrlich: Ich würde den Job nicht machen wollen und kann es mir auch nicht vorstellen. Und das ist das Problem, der Job ist nicht attraktiv, im Gegenteil, die meisten Einblicke schrecken eher ab und das ist mehr als kontraproduktiv.
    Mich würden die Gedanken des jungen Mannes zu dem Thema sehr interessieren und würde das Buch gerne lesen, vielleicht bekomme ich ja die Möglichkeit.
    Danke für den tollen Beitrag, liebe Grüße!
    Jenny

  • MIRIAM

    Huhu, ich bin gesundheits und krankenpflegerin und arbeite in einer Uniklinik, auf einer Internistischen Station. Ich liebe meinen Job, aber ich bin ehrlich im Moment fühle ich mich kraftlos. Das Patienten Klientel wird immer aufwendiger, man verlangt immer mehr von der Pflege. Aber wir können nicht mehr. Ich arbeite meist ohne pause durch, überlege mir gut ob ich nun zeit fürs Klo gehen, ja es muss alles gut überlegt sein.essen wird sich mal einfach so zwischendurch rein gestopft, denn es klingelt mein Pat. Braucht schmerzmed oder ne neue Hose… Ohje noch ein Zugang, wohin mit den… Zimmer sind alle voll also auf den Flo. Usw …. Mein Leben als PK, kostet mir eine Gesundheit, meine Zeit und vieles mehr…

  • BryantTok

    Hi, einfachcarolin.de

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